Pop Rocky

One Night With David G.

Guetta1

Eigentlich waren es nur 2 Stunden, aber “One Night With” hört sich irgendwie kosmopolitischer an. Aber mal von vorne. Ich in Las Vegas, der Stadt mit der höchsten Hangover-Quote weltweit. Als alter Raver hab ich mir das Programm der Clubs angeschaut von denen man immer wieder hört wie horrend die Eintrittspreise als auch die DJ Gagen sein sollen. Früher gab’s Siegfried & Roy, heute Tiesto und David Guetta. Und zwischenzeitlich auch Marco Carola und Richie Hawtin. Die DJs von gestern sind die Popstars von heute, oder so ähnlich. Die Besucherzahlen bei den großen DJ-Namen sind zwischenzeitlich ähnlich denen Ihrer Popstar-Kollegen wie Justin Timberlake oder Depeche Mode. Sie füllen Stadien, führen die Charts weltweit an, geben vielen trostlosen Popsternchen Schützenhilfe in Sachen Produktionen. Also können auch Gagen im 7-stelligen Bereich aufgerufen werden. So zumindest hört man es aus Las Vegas. Dem neuen Ibiza. Hat mal jemand gesagt. Ist natürlich totaler Schwachsinn. Der Vergleich ist fürn Arsch. Was Vegas gut kann ist: größer, besser, teurer. Alles, was Umsatz bringt, wird eingekauft. Ob der Eifelturm, Magier oder eben DJs. Vegas lebt vom Entertainment. Nirgends wird Entertainment so groß geschrieben wie in der Wüste Nevadas. Genug geschwafelt. Super-Duper-Star David Guetta stand im XS Nightclub auf dem Programm und das war doch Anlaß genug sich mal so einen Schicki-Micki-Club von innen anzuschauen. Den David kenne ich schon ne Weile, also durfte ich an der Gästelisten-Schlange anstehen. “Gästeliste ist geschlossen” war die erste Aussage. “Ok, na gut, wenn Du den David kennst dann drücken wir nochmal ein Auge zu” war dann der erlösende Satz um den Weg Richtung DJ Pult anzutreten. Rauf die paar Treppen und rein ins Getümmel. Erster Eindruck: Wie soll ich da durchkommen? Es war kein Quadratzentimeter Platz in dem Club, die Stimmung war jetzt schon am Siedepunkt. Wer hier die größte Flasche bestellt ist der King. Für ein paar Minuten zumindest. Solange bis die Flasche leer ist und die eingeladenen Girls anstatt mit aufs Zimmer zum nächsten Spendablen wandern. Darum geht’s hier eben: Tische und große Flaschen verkaufen und nicht um Musik. Der Rubel muss rollen, egal wie. Tische bis $50.000,- sind hier keine Seltenheit. Aber hey: da ist noch ne Halbliter-Flasche Wodka dabei. Kann man sich schon mal gönnen. “Was die können kann ich auch”, dachte ich mir, “allerdings ohne Kohle auszugeben. Bin ja schließlich Schwabe”. Das Ziel war gesetzt: den besten Platz ergattern, ne Flasche leer und mich wichtig machen. Nichts leichter als das, aber erst mal irgendwie auf die andere Seite kommen. Das Ziel war also noch weit entfernt. Da half nur eins: durchdrängeln was das Zeug hält. Meine Nahkampfausbildung, die ich immer wieder Samstags im Supermarkt aufs Neue auffrische, war mir leider keine große Hilfe. Durchgekommen bin ich trotzdem und ein paar Silikonmöpse habe ich auch gestreift, aus Versehen, versteht sich. Rechts und links vom DJ Pult standen die ganz Wichtigen, genau dahinter stand Keiner. Alles klar. Das wird mein Platz. Der oder keiner. Aber wo zum Teufel ist meine Eintrittskarte dahin? Wo ist David G.? Um Einse hätte er anfangen sollen. Um halb Zwei hörten die Vorprogramm-DJs auf und es war für eine Minute still. Zumindest die Musik, die aber durch “David, David, David”-Rufe ersetzt wurde. Das hatte dann schon Konzert-Charakter. Da geht das Licht aus, alle schreien den Namen der Band und irgendwann geht’s los. Genau so war das hier auch. Und da kam er endlich lässig ins DJ Pult reingestiefelt. Die Proleten und die Silikon-Püppchen haben Vollgas gegeben und Ihrem Star mittels Geschrei und blitzender iPhone-Kamera gezeigt, wie geil er doch für Sie ist. Er direkt an die CD-Player ran und es ging sofort los. Das Problem war nur: der Platz hinter Ihm war immer noch frei und ich noch ein paar Meter davon entfernt. Als Schwabe ist man überall willkommen, ob am Prenzlauer Berg oder in Vegas, das macht da keinen Unterschied. Noch während des ersten Tracks stand ich dann da wo alle stehen wollten. Aber da war halt nicht so viel Platz. Ich hoffe die haben das alle verstanden. Kurz meinen Kumpel David begrüßt, während dem ersten Übergang kurzen Small-Talk (Was geht Digger? Was machen die Kids?) gehalten und zeitgleich nach was Flüssigem Ausschau gehalten. Fiji-Wasser und Coke standen da, aber das war nicht das, was ich wollte. Verdammt, was ne Scheiße. Werde ich hier mit nem Cola-Suff rauslaufen? An den Bars waren Menschenschlangen, da wäre ich beim Anstehen verdurstet. “Getränke sind auf dem Weg” hat da einer gesagt. Hat der gesehen, daß ich kurz vorm Vertrocknen war? Egal, Hauptsache der Fusel kommt bald um die Ecke. Es wurde langsam enger auf meinen paar Quadratmetern: paar Chics und Anzugträger standen auf einmal neben mir. Dir durften das, bin ich mir sicher. Hätte die auch fragen können ob Sie sich verirrt haben, aber das hätte unter Umständen Probleme bereiten können. Wollen wir ja nicht, will ja nicht die good, old Dschörmans in Vegas in Verruf bringen. Moet und Belvedere-Flaschen waren im Anflug. Die mußte ich mir mit großer Sicherheit mit den Neuzugängen teilen. Kann ja eins und eins zusammenzählen. Teilen war schon immer meine Stärke, also null Problemo, wie Alf jetzt sagen würde. Das erste Schampusglas war dann schnell vernichtet. Wie ich das Gesöff hasse. Der DJ, also der David, hat mit einer Lässigkeit einen Hit nach dem anderen aus der Hüfte gepresst und das “Publikum” hat brav mitgesungen. Regler runter, alle mitgröhlen, Regler wieder rauf.

Das kann er halt wie ein ganz Großer. Ist schon derbe wenn man die Leute mit seinen eigenen Tracks so zum Ausrasten bringt. Fühlt sich bestimmt gut an. Mindestens genauso gut wie die Flasche Belvedere in meinen Händen. Die Drinks liefen runter wie Öl und die zwei Stunden gingen wie im Flug vorüber. Nach dem letzten Track noch kurz die Leute mittels Mikro (kam davor auch schon mehrmals zum Einsatz) darüber informiert, daß er Vegas total toll findet und alle super mitgemacht haben. Und weg war er. Ich dann auch, Ihm hinterher. War der einfachste Weg aus dem überfüllten Club rauszukommen. Vor dem Club standen gefühlte hundert Leute die ein Taxi wollten. Im Halbsuff hab ich dann dem Hoteltypen erzählt, daß ich mein Ziel erreicht hatte, aber jetzt Richtung Heimat muss. Und da ich gerade total wichtig war und ich den DJ kenne, er mich doch ins nächste Taxi steigen lassen soll. Die Anderen könnten schließlich warten. Hat er tatsächlich gemacht. Gut für mich, fühlte sich aber irgendwie falsch an. So wie ein Privatpatient beim Arzt. Der kommt auch immer gleich dran. War in jedem Fall nice bisschen rumzupimpen. Ich hab mich dann noch auf den Weg zum Aoki in den Hakkasan-Club gemacht, aber der hat gerade geschlossen als ich ankam. Zum Glück war der Club in meinem Hotel, sonst hätte ich dem Hotelboy vor der Türe noch erzählen müsssen, dass ich den Aoki kenne. Was nicht gelogen wäre….

Guetta2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.